Eltern sollen Eltern bleiben und keine Therapeuten werden

Es gibt Eltern, welche noch nie etwas über Sprachtherapie gehört haben. Erst dann, wenn sie durch ihr Kind konfrontiert werden, wenn das Kind in Therapie muss.

Es ist verständlich, dass Eltern sehr gerne bereit sind, ihrem Kind zu Hause zusätzlich zur wöchentlichen Sprachtherapie weitere Aufgaben und Unterstützungen anzubieten.

Wichtig können motorische Aufgaben sein, wie z.B. Treppen steigen, von einem Stuhl springen, hüpfen, Ball werfen und fangen. Kinder können bei alltäglichen Aufgaben mithelfen, z.B. Kartoffeln schälen, den Salat waschen, den Tisch decken, Wäsche aus der Maschine nehmen, einkaufen gehen. Kleine Kinder sollten einfach mit Vater und Mutter mittun können. (Schürzenzipfelphase)

Die Eltern sind für den guten Verlauf einer Therapie enorm wichtig, denn sie kennen ihr Kind, sie sind täglich mit ihm zusammen.



Das Kind möchte in der Küche mithelfen.

Das Kind braucht Liebe, Zutrauen, Verlässlichkeit, Verständnis, eine konstante Beziehung und viele Möglichkeiten die Welt zu entdecken, damit es eigenaktiv werden kann.


Anleitung für Eltern bei 2-3jährigen sprachlich auffälligen Kindern:

1. Aktivität: In diesem Alter sollte das Kleinkind mit Mutter, Vater oder anderen Bezugspersonen „mittun dürfen.“ Darunter verstehe ich, dass das Kind bei den Haushaltarbeiten mitmachen kann (keine Maschinen ausser dem Staubsauger).Vor allem das Kochen oder Backen ergibt dem Kind viele nützliche Arbeiten, bei denen es mittun darf (nur mit den Händen). Ebenfalls sind Gartenarbeiten für das Kind spannende Aktivitäten. Aber auch mit Papa in der Werkstatt aktiv sein; vor allem kann es da um Funktionen gehen (wie funktioniert die Zange, der Hammer oder die Feile?). Damit das Kind Aktivitäten ausführen lernt und versteht, muss es diese von Mama, Papa oder Bezugspersonen nachahmen können. Erst dann wird es möglich, dem Kind Kinderspielsachen für seine Aktivität anzubieten. Es muss mit den Sinnen erleben, wie sich kalt, warm, schwer, leicht, hart, weich anfühlt.
   
2. Raumerfahrung: Damit das Kind den Raum erleben kann, muss es viele Erfahrungen machen, wo es auf und runter steigen kann, wo es hinter etwas gehen darf, wo es durchkriechen kann. Diese Erfahrungen muss es mit den Eltern erleben dürfen. Damit erwirbt es die Bedeutung auf- unten- hinten- im- durch- neben.
   
3. Individuation: Individuation entwickelt sich beim Kind im Alter von 2-3 Jahren. In diesem Alter erkennt sich das Kind als Ich-Du. Es beginnt zu trotzen, und es sagt «nein». Damit das Kind die Individuations-entwicklung in diesem Alter anbilden kann, braucht es die Fähigkeit, dass es Eigenaktivitäten ausführen kann. Es sagt “selber“. Obwohl es mit vielen Handlungen noch nicht klar kommt, hilft es dem Kind, dass es selber tun darf, z.B. Zähne putzen, Hände waschen, Kleider an- und ausziehen, mit Besteck alleine essen.

Im Anhang zeige ich einige Beispiele auf, was man mit dem Kind nur mit den Händen tun kann. Ebenfalls einige Beispiele für die Oralität, denn in diesem Bereich entstehen die meisten Sprechfehler.


Beispiele für Kleinkinder im Alter von 2-3 Jahren als Hinweis für Eltern

Funktionen nur mit den Händen:

- Wasserspiele aller Art (schöpfen, einander Wasser geben, Steine
oder Holz fischen, Schaum machen)
- Röhre und Flaschen füllen (mit weichen oder harten Sachen)
- Sachen aus einem Gefäß nehmen, umbeigen, (leichte und schwere Sachen)
- Ziehen als Widerstand (Seil, Stoff, Papier)
- Zeitung reißen und Sack füllen (Ball daraus machen)
- Fingerfarben malen (Schachteln oder Papier)
- Sachen kleben (Papierfetzeli, oder Watte, oder Sagex)
- Ball rollen und fangen (Ziel als Korb halten)
- Sachen auf der Wiese und im Wald auflesen, in Kübeli füllen
(zu Hause daraus etwas machen)
- Blumen auf der Wiese pflücken (Stäusslein machen, zu Hause einstellen)


Funktionen mit Esswaren und den Händen:

- Teig öffnen und ziehen: mit den Händen das Papier aufmachen, durch Ziehen oder Schlagen Teig herausziehen, zusammen mit Therapeutin, aus dem Teig kleine Bälle rollen oder eine grosse Kugel machen. Sachen in der Kugel verstecken. (takt. Infos)
- Erdbeeren waschen und drücken: im Wasserbecken die Erdbeeren herumschwimmen lassen, mit den Händen herausnehmen. Stüdeli wegziehen und in einer Schüssel drücken. Dazu kann noch Zucker gegeben werden. Dabei können die Finger abgeschleckt werden (orale Uebung)
- Banane schälen und drücken: die Schale wegziehen und die Banane drücken, auch die Finger abschlecken (orale Uebung)
- Orangensaft: mit dem Finger ein Loch machen: Orange zuerst im Wasser waschen, Th. und Kind versuchen mit dem Finger ein Loch in die Orange zu bohren, mit dem Mund daran saugen (orale Uebung)


Funktionen mit Instrumenten: Bedingung ist, Kind muss die Eltern nachahmen können. (Sinnfindung)

- Zuerst mit der Funktion «schlagen» beginnen;
Mit Gegenständen ins Wasser schlagen, Ereignis geschieht - es spritzt!
Mit dem Fleischhammer auf den Teig, auf Früchte schlagen! Sache verändert sich.
- Mit der Funktion «schöpfen» mit dem Schöpflöffel weiter machen.
Wasser in ein anderes Gefäss schöpfen. Feste Sachen in ein Kübeli umschöpfen (Holzkugeln, Glaskugeln, Steine, Sagexkugeln.
- Mit der Funktion «ziehen» Wägeli ziehen, Seil ziehen, Gegenstände ziehen.
Widerstand spüren




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